FLORIAN KOBLER
IN DEN KANTONSRAT



Stopp! Nicht auf dem Rücken des Personals!

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In den letzten zweieinhalb Jahren sprach ich als Gewerkschaftssekretär mit unzähligen Mitarbeiter_Innen im Detailhandel. Immer wieder sind es die gleichen Sorgen, die sie mir gegenüber zum Ausdruck brachten. Trotz tiefem Lohn wird vom Personal im Detailhandel immer mehr verlangt. Eine Entwicklung die Sorge bereitet. Es besteht die Gefahr, dass in unserer 24h Gesellschaft eine "Dienstleistungsschicht" entsteht, die unter enormen physischen und psychischen Druck steht.

Am 3.Januar hat ein grosses Einkaufszentrum in St.Gallen einen verkaufsoffenen Sonntag durchgeführt. Dem Verkaufspersonal musste nach dem anstrengenden und hektischen Weihnachtsgeschäft erneut an einem Sonntag zur Arbeit erscheinen. Der 2.Januar ist ein Feiertag im Kanton Thurgau,die Verkäufer_Innen freuten sich auf ein verlängertes Wochenende, bis mehrere grosse Detailhändler entschieden ihre Geschäfte an diesem Tag zu öffnen. Die Gemeinden bewilligten zusammen mit den kantonalen Entscheidungsträgern diesen verkaufsoffenen Feiertag im Thurgau.

Das Shopping wird in teuren Werbekampagnen als «Abenteuer und Hobby für die ganze Familie» vermittelt. Dabei wird vergessen, dass diese Entwicklung auf dem Rücken des Personals vorangetrieben wird. Die ständigen Versuche der Arbeitgeber die Ladenöffnungszeiten zu erweitern führen zu einer "Kettenreaktion", schliesslich sind nicht nur die Arbeitnehmenden in den Läden ist betroffen. In den Verteilzentren muss gearbeitet werden, um die Geschäfte mit dem entsprechenden Frische-Sortiment zu versorgen. Berufs-Chauffeure stehen schon seit Jahren unter einem enormen Zeit- und Leistungsdruck.

Grosse Detailhändler streben nach stetiger Umsatzsteigerung, sie ignorieren dabei, dass vielen Menschen das Geld für immer noch mehr Einkäufe fehlt. Vor allem junge Menschen geraten durch die ständigen Rabattverlockungen und den Konsumdruck in Schuldenfallen. Kleine Detaillisten bangen um ihre Existenz, weil sie nicht das Personal für lange öffnungszeiten haben.

"Ich habe mir ernsthaft überlegt eine Wohnung neben dem Geschäft zu nehmen". "Mein Mann und ich sehen uns kaum. Ich arbeite wenn er zu Hause bei den Kindern ist und umgekehrt, ansonsten kommen wir finanziell nicht über die Runden". Zwei Aussagen, die ich so oder ähnlich in den vergangenen Jahren oft gehört habe. Unsere Gesellschaft muss Umdenken, die Arbeitgeber müssen umdenken. Alle Arbeitnehmer_Innen haben ein Anrecht auf ein geregeltes Familien und Freizeitleben, auch das Personal im Detailhandel.

Längere öffnungszeiten und offene Feiertage bringen nicht mehr Umsatz, sondern verschlechtern die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Es braucht die Festlegung von klaren und einheitlichen Regelungen. Es braucht einen Gesamtarbeitsvertrag für das gesamte Verkaufspersonal. Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten auf dem Rücken des Personals muss gestoppt werden.

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